Kameradschaft im Kleinwalsertal
Die Blauen weilten im weißen Trainingslager. Foto: LückNeuer Spieler, neue Impulse, große Kameradschaft im Kleinwalsertal. Bei herrlichem Sonnenwetter landeten die Stuttgarter Kickers letzte Woche mit ihrem Bus in Oberstdorf – Auftakt zum Trainingslager im Kleinwalsertal.
Von Jürgen Lück
Drei Tage, bei denen es weniger um das eigentliche Training, sondern um das Zusammenschweißen der Mannschaft ging. Mit leuchtenden Augen dabei: Peter Sprung, der Neuzugang von Bayern Alzenau. Vorbei mit Feierabendfußball neben seinem Job als Lagerist bei einem Metallbaubetrieb, rein ins Profi-Training.
Der 32-jährige Stürmer, der sein letztes Trainingslager vor »ungefähr zehn Jahren mit den Amateuren von Eintracht Frankfurt« hatte. Der zwar für die Bayern neun Tore bis zur Winterpause machte, sich dort aber nicht mehr so ganz wohlfühlte. Sprung: »Nach dem Aufstieg in die Regionalliga bekam die Mannschaft ein neues Gesicht und der Teamspirit hat nicht mehr gestimmt.« Sprung machte trotzdem sein Ding.
Kickers-Trainer Dirk Schuster lobt ihn: »Ein Draufgänger, offen und ehrlich. Wer in einer defensiv eingestellten Mannschaft als Alleinunterhalter vorne neun Tore macht, dürfte wohl als torgefährlich mit Riecher gelten.«
Und der Neue wurde gleich zum Küchendienst in der Gemsenhütte eingeteilt. Genoss mit seinen Mannschaftskameraden den Bergkäse und die Schoko-Chili-Salami mit Wiesenheusenf vom Walser Bergbauern Herbert Edlinger, bevor er die Gläser und Teller abräumte. Danach gab der neue Stürmer beim Biathskate alles und holte mit Nico Plattek den Gesamtsieg bei der Kombination Eisschnellauf und Schießen im Eissportzentrum Oberstdorf.
Ein bisschen Schinden hatte es morgens auf der Skisprungschanze gegeben – hoch die Treppen! Marathonläufer Dirk Schuster trickste ein bisschen und stieg erst bei der zweiten Runde mit ein. So holte der »Leitwolf« den Sieg gegen Nico Plattek.
Wichtiger Termin dann am zweiten Tag des Trainingslagers: Alle Spieler bekamen das Ergebnis ihres Herzscans mitgeteilt. Um die Fitness der Regionalliga-Mannschaft noch besser und präziser einordnen zu können, sind die Blauen die erste Fußballmannschaft, die der Lebensfeuer-Leistungsdiagnostik unterzogen werden. Ein iPod-Mini-kleines Aufzeichnungsgerät und zwei auf die Haut geklebte Sensoren. Seppi Neuhauser: »Wir messen mit 4000 Impulsen pro Sekunde die Kurven der Herzfrequenz – 24 Stunden lang.«
Daran können die Spezialisten ablesen, wie das vegetative Nervensystem des Spielers tickt. Ob die Tief- und Wachschlafphase in der Nacht wirklich Erholung bringt, ob der Körper nach dem Training so durchblutet, dass er die optimale Regeneration hat. Neuhauser: »Damit kann man individuell ablesen, wie man einen Spieler nach seinen körperlichen Gegebenheiten optimal trainiert.« Schuster erhofft sich einiges von dieser Methode: »Schon jetzt ist unser Abschlusstraining vor dem Spiel zu 75 Prozent individuell. Da kann jeder Spieler das trainieren, was er für richtig hält. Wenn das mit der Lebensfeuer-Diagnostik noch besser geht, kann das uns als Trainern helfen.”

