Motorrad-ABS kann Leben retten


Immer wieder passiert es: Zweiräder werden von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen oder zu spät wahrgenommen. Blitzschnell müssen Biker dann stark bremsen und ausweichen. ABS verhindert das Blockieren der Räder selbst auf nassen Straßen. Foto: djd/Bosch(rgz-p). Ein guter Motorradfahrer bremst besser als jedes ABS. Diese Ansicht hält sich noch immer bei vielen eingefleischten Zweiradfans. Experten widersprechen mittlerweile aber einhellig. Zum einen fehlt den meisten Motorradfahrern die entsprechende Übung, sofort den optimalen Bremsdruck fürs Vorder- und Hinterrad zu finden, zum anderen ist das beste antrainierte Feingefühl in plötzlich auftretenden Schrecksituationen oft dahin. Antiblockiersysteme sind daher geradezu unverzichtbar, folgern die Unfallforscher - und untermauern dies unter anderem mit einer Auswertung von Motorradunfällen aus der GIDAS-Datenbank. Demzufolge bremst nahezu die Hälfte der Motorradfahrer gar nicht oder aus Furcht vor einem Blockieren der Räder nur zögerlich. Diese Angst kann ein ABS nehmen.

Viele Unfälle könnten verhindert werden

Auswertungen zufolge ist die Gefahr, in Europa mit einem Motorrad schwer oder tödlich zu verunglücken, 18 Mal so groß wie beim Fahren mit einem Auto. Gerade weil Motorräder keine Knautschzone haben, sind unfallvermeidende Systeme wie das Antiblockiersystem so wichtig. Dies bestätigt eine kürzlich durchgeführte Untersuchung der schwedischen Verkehrsbehörde. Sie hat Motorradunfälle der Jahre 2005 bis 2008 ausgewertet und kam zu dem Ergebnis, dass 38 Prozent aller Motorradunfälle mit Personenschaden und 48 Prozent aller schweren und tödlichen Unfälle mit ABS verhindert werden könnten - wären alle Maschinen mit ABS ausgerüstet. Untersuchungen von Motorradunfällen in den USA und in Deutschland belegen ebenfalls das Sicherheitspotenzial des ABS.

Motorrad-ABS wird immer leistungsfähiger

Im Laufe der Entwicklung wurde das Motorrad-ABS immer leistungsfähiger und kleiner. Bosch beispielsweise hat das Gewicht seiner neuesten Generation im Vergleich zum ersten System von 1994 um rund 80 Prozent verringert. Die aktuelle Basisvariante wiegt nur noch 700 Gramm und ist damit das kleinste System auf dem Markt. Der Hersteller ist überzeugt, dass die geringe Größe und die gleichzeitig reduzierten Kosten künftig auch den Einbau in kleine Zweiräder erlauben - wofür der ADAC Anfang 2010 das System mit einem “Gelben Engel” auszeichnete. Für größere und schwerere Motorräder bietet der Hersteller ein Antiblockiersystem mit elektronisch gesteuerter Verbundbremse an. Es bremst stets beide Räder optimal ab, auch wenn der Fahrer nur Hand- oder Fußbremshebel betätigt. BMW und Kawasaki etwa setzen es bereits ein. In Europa haben derzeit insgesamt erst rund zehn Prozent aller neuen Motorräder ein Antiblockiersystem an Bord. Unfallexperten raten jedoch eindringlich, beim Motorradkauf nicht auf den Blockierschutz zu verzichten.